Unterwegs
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Immer Ärger mit den Leckerlis

An einem schönen Samstag Nachmittag sind wir wieder einmal unterwegs. Suki und ich. Gemeinsam steigen wir den Üetliberg hinauf und geniessen die herbstlichen Farben des Waldes.

Wir sind bereits eine gute Stunde unterwegs, da sichten wir einen Herrn, ebenfalls mit Hund. Sie kommen auf uns zu und unsere Wege kreuzen sich. Suki und der junge Dobermann Rüde begrüssen sich freundlich und wir setzen unseren Weg fort. Der junge Dobermann hingegen entscheidet sich, mit uns zu kommen. Ich blicke über meine Schulter und schon spüre ich seine Vorderpfoten auf meinem Hintern. Noch einmal springt er hoch, woraufhin Suki ihm auf freundliche aber direkte Art zu verstehen gibt, dass dies nicht okay ist. Zugegeben, ich mag es nicht sonderlich und Suki spürt dies wahrscheinlich, so reagiert sie entsprechend. Ich bleibe kurz stehen, denn ich wundere mich, dass der Besitzer des Dobermannes keinen Laut von sich gibt. Dieser ist ebenfalls stehengeblieben und schaut in unsere Richtung. Sein Hund springt inzwischen einem Gummiball ähnlich immer wieder an mir hoch, während ich Suki zu verstehen gebe, dass ich mich um den unwillkommenen Gast kümmere und sie sich nicht noch weiter aufregen soll.

Ich kann es mir nicht verkneifen und rufe dem Herrn zu, dass ich mich über so viel Aufmerksamkeit seines Hundes zwar sehr geehrt fühle, ich mich aber noch mehr freuen wÃürde, wenn ich alleine mit meinem Hund den Weg fortsetzen könnte.

Und da ist er, dieser Satz, den ich schon so oft gehört habe: “Das macht er sonst nie! Haben Sie Leckerli in der Jackentasche?” Unter normalen Umständen hätte ich diese Frage sogar mit einem Ja beantwortet, denn in der Regel verlasse ich das Haus nicht ohne eine Handvoll Leckerli und so war es auch heute. Doch inzwischen sind wir ausgeschossen und somit zu 100% Leckerli-frei. Ich kann über diese Frage irgendwie nur den Kopf schütteln, winke dem Herrn zu und setze entschieden meinen Weg fort. Suki begleitet mich und wie die Distanz zum Herrn grösser wird, entscheidet sich auch der junge Dobermann, uns wieder zu verlassen. Wir sind froh.

Ganz ehrlich, die Frage “Haben Sie Leckerli dabei?” nervt manchmal. Immer wieder springen fremde Hunde an mir hoch und immer wieder dieselbe Frage. Und dann die Schuldgefühle. Wenn ich sage, dass ich Leckerli dabeihabe, kommt prompt die Antwort: “Sehen Sie, ich hab’s ja gewusst! Sonst macht er das nicht!”. Bin ich also schuld? Sind es meine Leckerli? Oder handelt es sich bei diesen Hunden um extrem ausgehungerte Exemplare, die jeden Menschen anspringen, sobald sie etwas essbares wittern? Darf man als Spaziergänger denn überhaupt noch ein Sandwich essen oder muss man befürchten, dass es von einem Hund abgeluchst wird? Vielleicht war ich in dieser Hinsicht sehr konsequent oder meine Freundin, ja sie ist Hundetrainerin, hat schon zu Beginn entsprechend mit Suki so trainiert, dass es nie, und ich bin ehrlich, nicht einmal dazu kam, dass Suki einen fremden Menschen angesprungen hat, weil sie den Duft eines Leckerlis in der Nase hatte.  Und Suki, als waschechter Retriever, bringt von sich aus staubsauger-ähnliche Eigenschaften mit sich. Es gibt Momente, da werden Leckereien, so macht es den Anschein, inhaliert. Kennt man die Schwächen seines Hundes, kann man früh genug reagieren und ihm ein besseres Angebot machen, damit es nicht soweit kommen muss, einen fremden Menschen belästigen zu müssen. Ich bin selber Hundehalter und habe ein gewisses Verständnis für solche Situationen. Man trifft aber auch auf Spaziergänger, die ohne Hund unterwegs sind und es kann sogar sein, dass diese etwas Köstliches mit sich führen. Vielleicht eine Wurst, die sie grillieren wollen? Hundenasen sind zu Höchstleistungen fähig und oft verlangen wir viel Selbstbeherrschung von unseren tierischen Freunden. Doch es ist möglich, ihnen beizubringen, dass es sich nicht lohnt, bei fremden Menschen zu betteln, denn man stösst nicht immer auf Verständnis und auch wenn für mich schwer zu glauben, Tierliebe ist nicht selten vergebens zu suchen. Ausserdem möchte ich auch noch erwähnen, dass ich sehr vielen Hunden begegne, die mich entweder ignorieren oder freundlich begrüsen, aber nicht an mir hochspringen.

Wenn das Training wieder mal nicht funktionieren will und Ihr Hund bei fremden Menschen betteln geht, dann nehmen Sie sich meine Tipp zu Herzen: Versuchen Sie es mit ein paar besonders guten Leckerlis!

4 Comments

  1. Gib’s zu, da war ein “Le Parfait” Brötchen von letzter Woche, dass du in der Jackentasche vergessen hast! ;o)

    Liebe Grüsse an Suki,

    Sven mit Julia

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