Unterwegs
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Chica und das Mädchen

Wie jeden Freitag, wenn ich Suki mit ins Büro nehme, machen wir uns gegen Mittag für einen ausgiebigen Spaziergang auf den Weg zur Zolliker Allmend. Kaum aus dem Auto gestiegen, werde ich auf eine Stimme aufmerksam, die in einem immer wiederkehrenden, jedoch sehr freundlichen Ton, den Namen Chica ruft. “Muss eine Hündin sein” – denke ich mir und öffne erst mal den Kofferraum meines Wagens. Suki, schon in den Startlöchern und mit Kong bewaffnet, schaut mich mit ihrem erwartungsvollen Blick an – wartet kurz auf mein OK – und springt sichtlich erlöst und wie ich es von ihr gewohnt bin, voller Freude aus dem Wagen.

Sie springt voraus und ich gehe vom Parkplatz eine kurze Böschung zur einer Wiese hoch, von wo aus wir unsere Runde starten.

Es dauert nicht lange und ich weiss nun auch, wem diese Stimme gehört: Ein ca. 10-jähriges Mädchen mit rosa Jacke und blondem Haar steht ca. 30 Meter von uns entfernt und ruft weiterhin Chica in eine Richtung wo ich zu Beginn so gar keinen Hund erkennen kann.

Suki und ich gehen unseren Weg und etwa 100 Meter vor uns sehe ich eine Frau mit ihrem Hund. Wie ich genauer hinsehe, erkenne ich, dass diese Frau von zwei Hunden begleitet wird, die meinem Gefühl nach nicht zusammengehören. So scheint es dann auch zu sein, denn die Frau biegt kurz daraufhin links ab und Chica, eine schwarze Hündin, läuft fröhlich weiter geradeaus. Beim näher kommen sehe ich, dass es sich bei Chica um einen jungen Deutsch-Kurzhaar handeln könnte. Sie ist dunkel gefärbt, ein sehr schönes Tier.

Immer noch höre ich das Mädchen rufen. Inzwischen sind ihre Rufe in eine Art Jodeln übergegangen: “Juuuuuddddeli duuuuuu! Juuuuuuhhhhhuuuuu Chicaaaaaa! Guddddddeeeeeeliiiii hiiiiiiiier!” Ich muss ein wenig schmunzeln, beweist das Mädchen durchaus Geduld, indem sie sich schon seit einigen Minuten bemüht, Chica abzurufen. Bis anhin leider erfolglos, denn Chica bleibt zwar manchmal stehen und blickt Richtung Mädchen, die Rufe werden schliesslich immer fantasievoller, aber die andere Richtung scheint dann doch attraktiver, kommen doch immer wieder weitere Hundekollegen und die Wiese duftet ja so spannend. Inzwischen hat Chica auch bei Suki und mir einen kurzen Abstecher gemacht, ein freundliches “Hallo” und weiter geht’s. Ich rufe selber noch Chica, in der Hoffnung, dass ich sie eventuell aufhalten könnte, aber auf fremde Stimmen scheint sie noch weniger zu reagieren. Schon ist sie wieder weg. Ich blicke mich zum Mädchen um, das nun ca. 50 Meter hinter uns steht, immer wieder einen Schritt macht und dann doch wieder stehenbleibt: “Chicaaaaaa! Juhuuuuuu!” Sie schwingt ein rotes Roby-Dog Säcklein, das mit Leckerli gefüllt zu sein scheint: “Guuuuuuuuuddddeliiiii hiiiiiier! Juuuuuuuuhhhhuuuu Chicaaaaa!”

Inzwischen weiss ich langsam nicht mehr, wie ich diese Situation finden soll. Ich frage mich, welche Eltern überlassen ihrer Tochter einen Hund von dieser Grösse, der sich vom Mädchen offenbar nicht abrufen lässt. Ich gehe nicht davon aus, dass dies eine spezielle Situation ist sondern den Eltern bekannt sein sollte. Chica interessiert es schlichtweg nicht, wer nach ihr ruft. Auch frage ich mich, wie das Mädchen mit diesem Hund hierher gelangt ist, da doch die Mehrheit der Spaziergänger mit dem Auto anfahren, denn das Gebiet befindet sich am Waldrand. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie das Mädchen mit diesem Hund an der Leine geht. Nicht auszudenken, was geschehen kann, wenn Chica in der Leine liegt, weil sie grad abgelenkt ist und das Mädchen nicht kräftig genug ist, diese Kraft zu halten. Aber das sind dann wiederum nur meine Vorstellungen und Vermutungen.

Chica läuft immer weiter weg Richtung Wald und entgeht meinem Blickfeld. Weiter vorne halten sich einige Hunde mit ihren Besitzern auf. Wie sie mitbekommen, dass Chica von diesem Mädchen gerufen wird, versuchen sie den lebendigen Hund anzulocken, um ihn aufzuhalten.

Leider waren die Eltern des Mädchens weit und breit nicht zu sehen. Sie hatten Ihre Verantwortung für diesem Moment wohl kurz abgegeben.

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Als Freundin von Claude, meldet sich auch Miriam manchmal zu Wort. Sie hatte die ursprüngliche Idee, das Zusammenleben mit einem Hund zu bereichern und hätte inzwischen auch nichts gegen den Vorschlag "Zweithund" einzuwenden;-)

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