Bei der Animalia in St. Gallen stellt Miriam das erste mal nach ihrem Beinbruch Suki aus (Jugendklasse) und wird vom Norwegischen Richter J.-R. Sauge mit einem SG4 bewertet.
Aus der Rubrik Hundehalter-Typen: Die mehr oder weniger rüstige Seniorin:
Kennzeichnendes:
Oft alleine unterwegs, jedoch nicht mehr ganz gut zu Fuss, daher mit Stock unterwegs und wohl meist über 70 Jahre alt. Ihr Hund ist ihr Heiligtum, ihr ein und alles. Er wird verhätschel, hat nur das Beste verdient und steht immer Mittelpunkt.
Die Seniorin gehört definitiv zu den emotional gebundenen, stark auf den Hund fixierten Hundehaltern. Die Hunde haben meist männliche Menschennamen, vielleicht vom verstorbenen Ehemann oder jener eines Liebhabers aus jungen Jahren?
Hund:
Typischerweise ein Kleinhund, ein Malteser, ein Zwergpinscher oder Pudel. Der Hund wird vorwiegend an der Leine ausgeführt, ist daher wohl eher schlecht sozialisiert, unsicher und kläfft stressbedingt alles an was ihm zu Nahe kommt. Dabei kriegt er Rückendeckung seiner Besitzerin; wenn’s sein muss wird auch mal der Stock als Waffe gegen unliebsame Hunde eingesetzt.
Er war nie in der Hundeschule und tendenziell gar nicht bis schlecht erzogen, aber die unbestrittene Nummer Eins und hat gegen Aussen das Ego eines Alpha-Wolfes. Eigentlich ist er aber total gestresst, verunsichert und ängstlich. Könnte der Hund frei wählen würde er sich wohl für ein anderes, lebendigeres Zuhause entscheiden.
Interaktion mit der Umwelt:
Da der Hund wie kleiner Prinz behandelt wird, ist es nur logisch, dass alle Hunde auf die man trifft von der Seniorin höchsten Diener aber meist nur wie niedriges Volk behandelt werden. Spielen ist gar nicht drin. Der Hund ist ja schliesslich angeleint, damit er ja immer schön auf dem Weg geht, nie ins Gras oder in eine Pfütze, der Hund soll sauber sein oder gar klinisch rein. Auch Gesicht ablecken, eine von Suki’s absoluten Lieblingshandlungen beim Treffen mit anderen Hunden, ist total verpönt. Meist reagiert der Hund mit Gekläff, angefeuert von seiner Besitzerin. Suki und ich schauen dann zu dass wir Land gewinnen und hören meist verbale Beschwichtigungen wie “Ja Kerli, das war jetzt aber ein ganz böser Hund. Einfach das Gesicht ablecken. Hat der denn keine Manieren?” oder “So ist gut Anton, dem hast du’s aber gezeigt”.
Manche dieser Damen sind sehr redselig, wobei entweder der eigene Hund im Mittelpunkt der Rede steht oder Eigenschaften und Verhalten des anderen Hundes kritisiert oder kommentiert werden: “Wieso wedelt der denn so mit dem Schwanz? Will er Fliegen vertreiben?” oder “Jack ist ein ganz toller Hund und ist so lieb. Ich weiss jetzt auch nicht was er hat!” Dabei kläfft Jack, nach einem misslungenen Aufreitversuch Suki an…
Letzthin habe ich in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel über Hundehalter-Typen gelesen. In einer Studie der Universität Bonn wurden 2800 Hundehalter befragt und beobachtet. Jedoch wurde nicht nur die Zufriedenheit der Hundehalter, sondern auch jene der Hunde untersucht. Die Studie kategorisiert folgende drei Haupttypen:
- Der prestigeorientierte Hundehalter (22% der Studienteilnehmer)
- Der soziale, naturverbundene Hundehalter (43% der Studienteilnehmer)
- Stark auf den Hund fixierte, emotional gebundene Hundehalter (35% der Studienteilnehmer)
Grobe Schubladisierungen sind nicht so mein Ding. Es fehlt an Feinheit und Diversität. Vor allem die Kategorien 1 und 3 bieten Potential für weiterführende Subkategorien.
Wenn ich mit Suki unterwegs bin, sammle ich nicht nur Namen ihrer Spielkameraden, sondern mache mir auch einen Spass daraus ihre Besitzer eingehend zu studieren: Wie treten sie auf? Was für ein Verhältnis haben sie zu ihrem Vierbeiner? Wie interagieren sie mit mir? Und mit Suki? Welche Charakteristiken weisen sie auf? Was kennzeichnet ihre Hunde? Und, und, und…
In der Folge werde ich meine Beobachtungen hier zum Besten geben:
- Die mehr oder weniger rüstige Seniorin
- Der Rassen-Taliban
- Der Kontroll-Freak
- Die Schickimicki Tusse & der urbane Geilo
Heute Morgen am Zürichsee. Suki hebt ab um den Dummy zu fangen.

Ein Alpha-Wolf versucht keinem Rudelmitglied etwas beizubringen, schon gar nicht so etwas wie “Platz”. Die Tatsache, dass so viele an die Vergleichbarkeit mit dem Wolfsrudel glauben und versuchen beim Hundetraining anzuwenden, ist ein Zeugnis dafür, wie wenig diese Menschen über die Entwicklung der Hunde verstanden haben.
Ray & Lorna Coppinger

Suki und ihre 9 Geschwister werden heute ein Jahr alt. Ein ganz herzliches Happy Birthday dem S-Wurf von Twilight Star’s.
Am Sonntag sind wir auf den Uetliberg gewandert. Suki eignet sich prima als Schlepplift, hat sie doch noch immer einen ziemlich kräftigen Zug an der Leine. Oben angekommen gibt’s Pommes für Miriam und eine Wurst für Claude. Suki säubert den Platz und kriegt nichts. Frisch gestärkt machen wir uns auf Richtung Planetenweg. Wir treffen auf ein junges, für eine Uetliberg-Wanderung etwas zu gestyltes Paar. In dem Moment als wir sie kreuzen, bellt es aus ihrer Handtasche.
Klein-Hund?
Oder gar Kleinst-Hund?
Wir drehen uns um und sehen, wie die Frau ihr Handy aus der Tasche zieht – ihr bellendes Handy. Im Nu ist Suki zur Stelle. Wild wedelnd und ganz nah an der Frau dran. Diese bemerkt Suki erst, als sie mit “Hallooo” ihr Handy abnimmt, wobei ihr letztes “O” direkt in ein herzhaftes Lachen übergeht. Es steckt an, wir lachen mit und Suki versteht die Welt nicht mehr.
Wo ist er denn hin der bellende Hund?
Es ist kurz vor 7 Uhr als mich Suki dezent darauf aufmerksam macht, dass jetzt die richtige Zeit für einen Morgenspaziergang wäre.
Wir machen uns also auf den Weg. Suki aktiv und vital wie immer. Ich noch total verpennt und einfach das andere Ende der Leine. Wir sind noch nicht lange unterwegs, da hält ein Auto neben uns an. Wohl verfahren, denke ich und hoffe auf einen kurzen Dialog. Ein Indianisch ausschauender Mann lässt das Fenster runter. Er strahlt unglaublich viel Freundlichkeit aus.
ER: Das ist ein sehr schöner Hund. Was ist das für eine Rasse?
ICH: Das ist ein Flat Coated Retriever.
ER: Sehr schön. Und woher kommt der?
ICH: Ursprünglich aus England.
Der Mann macht ein noch viel freundlicheres Gesicht, schaut mich an und spricht:
“Dass mir mein Hund das Liebste sei,
sagst Du, oh Mensch, sei Sünde.
Mein Hund ist mir im Sturme treu,
der Mensch nicht mal im Winde.”
ER (immer noch super freundlich und ganz feierlich): Das braucht keine Übersetzung. Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Tag.
Ich bedanken mich und der Mann fährt weiter. Seine Freundlichkeit beflügelt mich und seine Worte rütteln mich wach.
Suki und ich haben einen wunderschönen Morgenspaziergang.
Stadttraining ist immer gut. Und bei schönem Wetter macht es doppelt Spass.
Die Lektion beginnt am Paradeplatz. Ziel: Suki soll schön Leinenlaufen, d.h. Fusslaufen ohne an der Leine zu ziehen. Dazu gibt es Window-Shopping für Miriam und mich. Beim ersten Schaufenster treffen wir auf einen Vater mit einem ca. 3-Jährigen Buben. Suki nützt die Gelegenheit um beide abzuschlecken. Dann geht’s weiter.
Auf Höhe Rennweg/Augustinergasse setzen wir uns auf eine Bank. Ich will ein paar aktuelle Bilder für Miriam machen. Bild 1 okay. Bild 2 okay. Als ich Bild 3 schiessen will, merke ich, dass sich von rechts langsam eine Asiatin ins Bild mogelt. Hinter der Bank stehend, ganz am rechten Bildrand. Ich schaue mich um und bemerke ihren Mann, knapp hinter mir stehen. Er scheint Regieanweisungen für seine jüngste Komposition zu geben.
Als er mich bemerkt fragt er “Can I take a picture?”. Ich be-jae. Die Frau bewegt sich zögerlich weiter links. Suki bemerkt sie, und…will sie natürlich abschlecken. Die Frau weicht zurück. Angefeuert von Miriam (she is very friendly…) und ihrem Mann, nimmt sie all ihren Mut zusammen, streckt Suki die Hand hin und lässt sich ablichten. Zwischenzeitlich sind die übrigen Reisegefährten dazu gekommen. Jeder mit Fotoapparat bewaffnet und wild entschlossen unseren Hund zu fotografieren. Wir sind umgeben von knips-freudigen Asiaten.
Die Szenerie nimmt ein abruptes Ende: Als Suki einen anderen Hund sieht, springt sie von der Bank und steuert auf ihn zu. Miriam hält sie zurück. Aber auch das wird mit winzigen Digitalkameras festgehalten.
Wir spazieren weiter und die Lektion endet am Bahnhofsplatz; ohne weitere nennenswerte Zwischenfälle.
Bleibt nur zu hoffen, dass Suki nicht bald die Menükarte eines Restaurants in Korea ziert.
Just einen Tag bevor Suki 11 Monate alt wird ist sie da, die erste Läufigkeit. Mein Hund wird also erwachsen. Toll!
Ich stelle fest, ich bin absoluter Dummy was das Thema Läufigkeit betrifft. Glücklicherweise weiss Miriam mal wieder mehr und klärt mich über die Phasen auf:
- Proöstrus – Vorbrunst, die Hündin ist ängstlich und abweisend gegenüber Rüden.
- Östrus – Eisprung, nach ca. 9 bis 12 Tagen. Die Hündin ist ca. 3 Tage fruchtbar.
- Metöstrus – Nachbrunst, nochmals ca. 7 Tage. Die Hündin weist Rüden wieder klar zurück.
- Anöstrus – Ruhephase, dauert bei Flats ca. 6 Monate, danach beginnt die nächste Läufigkeit
Da es Suki’s erste Läufigkeit ist und wir nicht wissen wie sie die nächsten Wochen so drauf ist und auf ihr Umfeld reagiert, verordnen wir ihr Leinenzwang. Suki muss an die Leine, an die Flexi-Leine. Ich mag die Flexi-Leine nicht, doch wir wollen Suki nicht total einschränken und an die kurze Leine nehmen, ihr aber trotzdem Sicherheit geben.
Wie geht ihr mit der Läufigkeit eurer Hündinnen um? Habt ihr Tipps und Tricks?






