Hundehalter-Typen
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Hundehalter-Typen: Der Rassen-Taliban

Aus der Rubrik Hundehalter-Typen: Der Rassen-Taliban:

Kennzeichnendes:

Man erkennt ihn nicht auf den ersten Blick. Wohl auch nicht auf den Zweiten. Man muss ihn kennenlernen, mit ihm sprechen und ihn wiedersehen bevor er eindeutig identifiziert werden kann. Folgende Hinweise mögen dabei hilfreich sein:

Der Rassen-Taliban kann sowohl weiblich wie männlich sein und tritt meistens im Rudel mit Gleichgesinnten auf. Er kennt den Rassenstandard auswendig, ist im Bilde über alle wichtigen Züchter und sitzt bei Hundeausstellungen und -shows in der ersten Reihe, um sich auf dem Laufenden zu halten und um mit seinem Rudel zu fachsimpeln. Alternativ dazu tritt er, mit absoluter Verbissenheit und merkbarer Spasslosigkeit, selbst an, rennt mit seinem Hund durch den Agility-Parcour, tanzt mit ihm Dogdancing oder feuert ihn beim Hunderennen an. Er steht für seine Rasse ein und verteidigt sie bis aufs Letzte, spielt schwierige Themen wie rassentypische Krankheiten oder negative Merkmale kategorisch herunter und erwähnt stets nur die positiven Eigenschaften, diese dafür konstant.

Auf den ersten Blick könnte man meinen es handle sich hier um den emotional gebundenen Haltertypen, je besser man ihn jedoch kennenlernt, desto mehr verschiebt sich die Ausprägung in Richtung prestigeorientierten Charakter. Er ist ein Opportunist wie er im Buche steht, gestern Apportierhund, heute Stöberhund und morgen Schutzhund, Hauptsache prestigeträchtig.

Hund:

Der Name ist hier Programm: Natürlich muss es ein Rassen-Hund sein. Die Rasse spielt dabei nur eine Nebenrolle. Viel wichtiger ist die Reinrassigkeit und die ausgeprägten rassenspezifischen Attribute. Der Hund darf hier Hund sein, solange es  in den Augen des Besitzers noch rassentypisch ist. Generell machen Hunde von Rassen-Talibans immer einen leicht geknickten Eindruck auf mich. Sie spüren wohl den Druck der auf ihnen liegt, primär Vorzeige-Objekt zu sein und jederzeit die rassenspezifischen Merkmale zeigen zu müssen, wann immer sie von ihrem Herrchen abgerufen werden.

Die Hunde sind immer sehr gut sozialisiert, kennen sich im Umgang mit anderen Gefährten aus, wobei sie jedoch vorwiegend auf Artgenossen der gleichen Rasse oder mindestens auf jene mit gleichen Attributen und Eignungen treffen. Viele von ihnen haben eine Fixation auf ihrem Arbeitsgebiet. So will der Schutzhund laufend verteidigen, der Wachhund alles bewachen, der Apportierhund bringt einem jedes herumliegende Stück und Hütehunde wollen ständige alle Anwesenden zusammentreiben.

Interaktion mit der Umwelt:

Auch hier steht mehr der Mensch als der Hund im Vordergrund. Der Rassen-Taliban ist mit absoluter Subtilität missionarisch tätig, sei es auf Spaziergängen, im Training oder in Fachforen im Internet. Für ihn gibt es 1. nur “seine” Rasse und 2. wenn es schon eine andere Rasse sein muss, dann nur etwas reinrassiges. Rasse-Hunde ohne Papiere oder  nachweisbaren Stammbaum sind verpönt und Mischlinge gehören sowieso verboten. Er lobbiert für “seine” Rasse und für die Aufrechterhaltung und Förderung der rassenspezifischen Eignungen. Es gibt auch böse Ausprägungen: So putzt er zum Beispiel den stolzen Besitzer eines Labrador Retriever der als Therapiehund tätig ist in einem Internetforum runter, da seiner Ansicht nach Labis nur für jagdliche oder für Dummy Arbeit aber sicherlich nicht für Therapie in Frage kommen. Noch verpönter ist, wer gar nicht mit seinem Hund arbeitet. Im Internet wird der missliche Besitzer an den Pranger gestellt. Im “richtigen” Leben wird er erst belächelt und dann bedrängt und immer wieder gefragt, wann er nun endlich mit der rassentypischen Arbeit beginne, an die Prüfung gehe, ins Traininglager komme und so weiter…

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