Erziehung
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Es ist nicht alles Gold was glänzt – Warum TV-Hundetrainer nicht immer gut für uns sind

MannMitHund.ch

Sie erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und haben den Umgang mit Hunden einem breiten Publikum näher gebracht. Fast jeder von uns hat schon mal in eine der Sendungen reingezappt, andere schauen sie regelmässig. Immer. Stellen sich sogar den Wecker.

Die Rede ist von den TV-Hundetrainern, die ihre Erziehungstipps Hundehaltern – und neuerdings auch VIPs – auf witzige und meist spielerische Art vermitteln. Da ist zum Beispiel, die verzogene Hündin die partout nicht auf ihren Meister hören will. Der Experte erkennt das Problem schnell: Die Hündin tanzt dem Halter auf der Nase rum, weil sie nie gelernt hat was sie darf und was nicht. Der Profi gibt einfache Tipps wie ein Minimum an Grundgehorsam erlernt werden kann und fordert den Halter auf, regelmässig mit seiner Hündin zu üben. Konsequent und ohne Ausnahme. Nach vier Wochen (oder so), kommt der Hundetrainer erneut vorbei und wie durch ein Wunder ordnet sich die Hündin nun prima in den Alltag der Familie ein und hört sogar auf ihren Meister.

Ein sehr schönes Beispiel, welches glücklicherweise gut ausgegangen ist. Doch leider sind die Trainingsmethoden der TV-Hundetrainer nicht immer so human und leicht anzuwenden, wie im oben genannten Beispiel. So werden auch, für mich sehr fragwürdige Trainingsmethoden und -mittel, wie zum Beispiel die Wurfkette dem breiten TV-Publikum vorgestellt und, weil sie ja erfolgreich zu sein scheinen, wohl auch schmackhaft gemacht.

Genau darin bergen sich meiner Ansicht nach die Gefahren. Zum einen stelle ich die Wurfkette als Trainingsinstrument gänzlich in Frage, zum anderen suggeriert das locker-lässige Verhalten des Hundetrainers Einfachheit der Thematik, gibt dem TV-Konsumenten Offenbarungen für die Lösung der Probleme mit dem eigenen Vierbeiner und motiviert zur Nachahmung.

“Wenn es beim Hund dieses VIPs geklappt hat, wieso soll es dann nicht auch bei mir klappen”,

mag sich manch einer der Zuschauern denken. Doch das Wesen des Hundes ist wesentlich komplexer als in den TV-Shows dargestellt und die simplifizierte Darstellung der Probleme lässt falsche Rückschlüsse für die Eigentherapie zu. Falsche Trainingsmethoden und Eigentherapien sind oft kontraproduktiv und richten im schlimmsten Fall schwerwiegende Probleme in der Psyche des Hundes an.
Gleiches gilt auch für die falsche Wahl eines Trainingsmittels und dessen Einsatz, z.B. jener einer Wurfkette. Nehmen wir mal an, ein Hundebesitzer stört sich daran, dass sein Hund bei der Begrüssung an ihm hochspringt. Der Experte aus dem TV rät zum Einsatz einer Wurfkette. Sie soll künftig jedes mal wenn der Hund am Halter hochspringt zum Einsatz kommen. Der Besitzer ist stolz, schon nach wenigen “Trainings-Einheiten” zeigt sein ach-so-geliebter Vierbeiner das unerwünschte Verhalten nicht mehr.

Was ist geschehen? Hat der Hund effektiv gelernt, bei der Begrüssung nicht mehr an seinem Meister hochzuspringen? Ist das Problem wirklich gelöst?

Die kurze Antwort auf die letzten beiden Fragen heisst “nein!”. Die Antwort auf die erste Frage ist der Schlüssel und die Begründung dazu: Mit der Wurfkette hat der Besitzer seinem Hund keinen Gefallen getan und ihn nicht gelehrt nicht an ihm hochzuspringen. Er hat dem Hund lediglich Angst vor dem Hochspringen gemacht. Vereinfacht gesagt denkt sich der Hund jetzt:

Hochspringen = Kette = Angst.

Klar, der Hund zeigt das unerwünschte Verhalten nicht mehr, doch ist wohl auch ein Teil des Vertrauens der Hund-Mensch-Beziehung durch diesen Trainingsansatz geschmälert worden. Der Hund assoziirt den ganzen Akt als negativ und kann bei Wurfketten-ähnlichen Geräuschen mit Ängstlichkeit reagieren. Es besteht also die latente Gefahr, dass man sich durch die Wahl der falschen Trainingsmethode oder dem falschen Trainingsinstrument einen ängstlichen Hund schafft. Ähnliches gilt auch für die Anwendung von Gewalt, auch hier wird mit der Angst des Hundes gearbeitet. Auch hier kontraproduktiv. Welche langfristigen Auswirkungen dies hat, kann man nur erahnen. Meistens sind sie der Anfang neuer Probleme. Diese werden dann aber bestimmt nicht im TV ausgestrahlt.

Zur Vereinfachungen sind die Aussagen im oben stehenden Absatz sehr pauschal gehalten. Kriterien wie negative Vorerlebnisse, das Wesen des Hundes (Ängstlichkeit, aggressive Neigung) usw. sind massgebliche Einflussfaktoren und können andere Verläufe haben. Zudem gibt es auch Hund die keine Angst vor Wurfketten haben oder sich mit der Zeit daran gewöhnen.

Nun, was wäre denn der richtige Ansatz gewesen? Erfahrene Hundetrainer/-psychologen in meinem Umfeld haben mir das so erklärt: Bei der genannten Problemstellung wäre es angebracht gewesen dem Hund schmackhaft zu machen, nicht an seinem Herrchen/Frauchen hochzuspringen und das korrekte Verhalten positiv zu bestärken. Der Hund soll keine Angst bei der Begrüssung haben, sondern lernen, dass es viel besser ist, wenn er bei der Begrüssung nicht hochspringt.

Ich bin kein Hundetrainer oder -psychologe, sondern nur ein kritischer Hundehalter. Daher halte ich es nicht für angebracht an dieser Stelle detaillierte Abläufe für korrektes Angst- und Gewaltfreies Training zu beschreiben. Vielmehr fordere ich die LeserInnen von MannMitHund und die begeisterten ZuschauerInnen solcher Fernsehsendungen auf, das Gesehene nicht für den Eigengebrauch zu adaptieren und motiviere alle Halter, die mit ihren Vierbeinern seriös arbeiten wollen, sich genügend Zeit bei der Wahl eines seriösen Trainers zu lassen.

Angst und Gewalt sind nie eine Lösung.

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